Problemspieler entschärfen

Tips zum Umgang mit Problemspielern beim Rollenspielen

Jeder kennt sie, keiner kann sie leiden. Diese einen Spieler, die immer zu spät zur Spielrunde kommen. Spieler, die sich dauernd in den Vordergrund drängen und anderen das Spotlight rauben. Spieler, die den Plot mit der Begründung sabotieren, „dass ihr Charakter eben so handelt“. Das alles sind sogenannte „Problemspieler“. Wir haben hier ein paar Tipps zusammengestellt, wie man mit solchen Spielern am besten umgeht.

Effekt: ★ ★ ☆ ☆

Schwierigkeit: Experte

Lesezeit: 9 min

problemspieler bei dungeons and dragons

Was macht einen Problemspieler aus?

Ein Problemspieler ist jemand, der laufend den Spielfluss oder die Atmosphäre einer Rollenspielrunde stört. Die Bandbreite reicht von einem Spieler, der eine ergreifend traurige Szene ruiniert, weil er dabei laut in Gelächter ausbricht, bis zu Spielern, die die Charaktere der anderen Mitspieler zu ihrem eigenen Vergnügen im Spiel töten würden. Was unterscheidet diese Leute von anderen Spielern? Oft fehlt es ihnen am nötigen Gespür und der Empathie dafür, wie ihre Handlungen sich auf den Spielspaß der anderen Spieler und auf die gesamte Stimmung am Spieltisch auswirken.

Grundsätzlich ist es nicht ihre Absicht, jemanden damit auf die Nerven zu gehen. Sie bemerken einfach nicht, dass ihre Art zu spielen den anderen den Spaß an der Sache verderben könnte. Und das macht es so mühsam, mit ihnen auszukommen. Wenn du sie auf ihr Fehlverhalten ansprichst, ist ihnen nicht klar, was daran wen anderen stören könnte. Meist reagieren sie deshalb irritiert und beleidigt auf das Feedback.

Nervige Dinge, die Problemspieler tun

Hier ist eine Liste der häufigsten Handlungen, mit denen Problemspieler ihre Mitspieler oder den Spielleiter ärgern.

  • Rücksichtsloses Verhalten gegenüber den anderen Spielern (z.B. unangebrachte Kommentare über Hautfarbe, Geschlecht, persönliche Werte, Religion, etc.)
  • Den Plot sabotieren  (wissentlich einen wichtigen NSC töten, grundlos die Gruppe aufteilen oder Konflikte säen)
  • Die Atmosphäre kaputt machen mit unangebrachen out-of-character Bemerkungen (z.B. Witze machen während einer emotionalen oder düsteren Szene)
  • Wichtige Hinweise vor den anderen Spielern verstecken
  • Anderen ins Wort fallen, ihnen keine Gelegenheit geben, sich einzubringen, zu dominantes Spielen
  • Den Spielleiter mehrmals unterbrechen, während er eine Szene beschreibt (wir alle tun das manchmal, es geht um die Häufigkeit, wie oft es passiert)
  • Immer zu spät zur Spielrunde erscheinen
  • Mit dem Smartphone spielen und dem Spiel keine Aufmerksamkeit schenken, wenn ihnen langweilig ist
spielerin schummelt bei pen and paper rollenspiel

Wann man Probleme ansprechen sollte

Stell dir diese Szene vor: Die Spieler befinden sich in einer düsteren, feuchten Krypta. Sie hören ein entferntes Schaben aus einem dunklen Korridor. Die Stimmung ist gruselig und angespannt. „Will noch wer Pizza!?“, schreit plötzlich einer der Spieler, während er mit seinem Smartphone herumwedelt. Und zack, die Atmosphäre ist dahin. Was nun?

Sollst du als SL diesen Spieler vor allen anderen für sein Verhalten kritisieren, und damit den letzten Rest der Stimmung killen? Oder sollst du großzügig darüber hinwegsehen und versuchen, die Atmosphäre wieder hinzubekommen?  In der Realität sind meistens nicht nur der SL, sondern auch die Spieler von solch einer störenden Aktion genervt. Man kann in diesen Momenten richtig die Spannung im Raum spüren. Den verantwortlichen Spieler dann nicht auf das Geschehene anzusprechen, macht die Sache oft nur noch schlimmer.

Unterbrich‘ das Spiel nicht zu lange…

Im besten Fall teilt der Spielleiter diesem Spieler sofort mit, dass sein Verhalten für die Atmosphäre am Spieltisch ungünstig war – so kurz und knapp wie nur möglich. Was in solchen Momenten immer wieder gut hilft, ist ein „Bitte mach‘ sowas nicht. Das schadet der Stimmung“. Versuche jedenfalls lange Diskussionen und Rechtfertigungen zu vermeiden. Das würde der Stimmung sonst noch den Todesstoß geben. Falls das der Problemspieler partout nicht einsehen möchte, hilft es, die Diskussion ans Ende der Runde zu verlagern. „Lass‘ uns am Ende des Spiels nochmal drüber reden. Machen wir jetzt mal mit der Geschichte weiter“, hat noch bei jedem funktioniert. Je kürzer die Unterbrechung des Spielflusses ausfällt, desto besser.

…außer es geht um was Ernstes

Es gibt Situationen, in denen man das Spiel unbedingt unterbrechen muss. Wenn z.B. einer der Spieler beschließt, einen wehrlosen Charakter eines Mitspielers in die ewigen Jagdgründe zu schicken, dann sollte ihr das Spiel dringend pausieren und die Sache mit allen Spielern am Tisch besprechen. In den meisten Fällen genügt aber eine kurze und klare Info an den betreffenden Spieler, das etwas nicht passt. Das klingt jetzt alles vielleicht schlimmer, als es ist. Keine Sorge, die meisten Spieler werden ihre kleinen Fehltritte sofort einsehen, nachdem man sie darauf hinweist.

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Adressiere Konflikte am Spieltisch möglichst schnell. Sonst werden am Problem unbeteiligte Spieler irgendwann deine Gruppe verlassen, weil es ihnen in dieser Runde keinen Spaß mehr macht. 

Wie man Feedback konstruktiv vermittelt

Wie sagt man einem Spieler möglichst sachlich, dass du mit etwas unzufrieden bist, was sie/er gesagt oder getan hat? Versuche dein Feedback aus deiner Sicht zu formulieren. Sag‘ ihnen nicht: „Du ruinierst immer die Atmosphäre“ oder „du stiehlst den anderen immer das Spotlight“. Das würde sehr anklagend und tadelnd klingen. Sag‘ ihnen lieber, wie das Verhalten bei dir angekommen ist. Z.B. „Für mich sieht es so aus, dass…“ oder „Ich finde,…“. Das macht dein Feedback viel weicher, sodass es sich nicht nach einer Zurechtweisung anhört. Und es gibt deinem Gegenüber die Chance, die Sache aus ihrer/seiner Warte zu schildern, ohne sich gleich in die Defensive gehen zu müssen.

Erwähne auch, dass es dein erklärtes Ziel ist, miteinander Spaß zu haben und eine besondere Stimmung am Spieltisch aufzubauen. Miteinander auf etwas hinzuarbeiten, das löst die Fronten (SL gegen den Spieler) auf. So wird es leichter, eine Lösung für die Situation zu finden. Es hilft auch sehr, eine dritte Parte (einen anderen Mitspieler) nach ihrer/seiner Meinung zu fragen. Die dritte Person hat oft eine neutralere Sicht auf die Sache, was die Diskussion in eine sachliche Richtung führen kann.

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Wie man harte Fälle löst

Wenn sogar eine freundliche Unterhaltung nach dem Spiel nicht hilft, kannst du davon ausgehen, dass dieser Problemspieler das Problem mit sachlich lösen möchte. Ja, solche Leute gibt es. Nenn‘ sie „nicht kompromissbereit“ oder „wenig sozial“. Wenn du einen Problemspieler in der Gruppe hast, dem sein eigener Spaß wichtiger ist als das Wohl der ganzen Gruppe, dann habe ich nur diesen Rat für dich: Verabschiede sie/ihn aus deiner Runde.

Das klingt jetzt super hart. Aber für solche Extremfälle gibt es leider keine bessere Lösung. Mit Diskussionen kommst du hier nicht weit. Wen es jemandem egal ist, wie sich seine Mitspieler bei einem Konflikt fühlen, dann wird diese Person nicht einlenken und sein Verhalten ändern. Auch wenn dieser eine Spieler eine ganz wichtige Rolle in deiner epischen Kampagne spielt (Stichwort „Der Auserwählte“), oder wenn du dann einen Spieler zu wenig hast – schmeiß‘ sie/ihn raus. Mit einer solchen Person in der Spielrunde kannst du nicht glücklich werden.

Hilfe, der Problemspieler ist ein guter Freund

Besprich‘ die Sache mit ihr oder ihm unbedingt außerhalb der Spielrunde. Das Problem vor den anderen Spielern zu diskutieren, würde alles nur verkomplizieren. Dein Freund erwartet ja automatisch, dass du immer für ihn Partei ergreifst, egal was vorgefallen ist. Würdest du ihn also vor der versammelten Runde für etwas kritisieren, würden er sich wahrscheinlich von dir hintergangen fühlen. Und dann eskaliert so eine Diskussion recht schnell. Es geht plötzlich nicht mehr um ein kleines Fehlverhalten oder einen Ausrutscher, sondern gleich um eure Freundschaft. Wenn der Problemspieler also ein guter Freund ist, dann sprich‘ mit ihr oder ihm unter vier Augen bei einem Stück Küchen oder einem Bier.

Davon abgesehen, behandle sie, wie du jeden anderen Mitspieler behandeln würdest. Ja, ich weiß. Einem Freund sagen zu müssen, dass dich sein Verhalten gestört hat, das ist heikel. Aber eine gute Freundschaft sollte das aushalten. Wenn nicht , dann kriseln im Hintergrund vielleicht noch andere Themen. Auch das lässt sich bei einem konstruktiven Gespräch klären. Ein guter Freund wird dir jedenfalls sein Gehör schenken und versuchen, mit dir eine Lösung zu finden, damit alle am Spieltisch Spaß an der Runde haben.

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Zum Schmunzeln: Die schlimmsten Problemspieler, die ich je erlebt habe

Genug Theorie. Sehen wir uns mal Beispiele aus dem echten Leben an. Hier sind drei der witzigsten oder seltsamsten Problemspieler, die ich je erlebt habe (inklusive Lösungsansatze).

1. Der, der immer zu spät kommt

Vor einigen Jahren hatte ich einen Spieler in einer Runde, der ausnahmslos jedes Mal eine ganze Stunde zu spät zum Spielabend erschienen ist. Darauf angesprochen meinte er (O-Ton): „Ich möchte nicht zu früh da sein. Es nervt mich total, wenn ich auf andere warten muss.“ Gegenseitige Rücksichtnahme war also nicht so sein Ding. Meine Bitte um Pünktlichkeit fand bei ihm kein Gehör. Daher bekam er eine Sonderbehandlung. Ich sagte den anderen Spielern, sie sollen für die nächsten paar Sessions immer 90 Minuten nach dem vereinbarten Zeitpunkt kommen. Nach zwei Spieleabenden hatte er endlich seine Lektion gelernt.

2. Die Turteltauben

Eine Spielerin wollte unbedingt ihren neuen Freund zur Rollenspielrunde mitbringen. Sie waren gerade frisch verliebt. Während dem Spiel konzentrierten sie sich also mehr aufeinander als auf den Plot, und es gab non-stop heftiges Geknutsche. Damit war jegliche Atmosphäre am Spieltisch dahin. Das Ganze war wirklich unangenehm und seltsam. Bis wir gemeinsam auf die Idee kamen, die zwei weit weg voneinander zu setzen. Das klappte dann überraschenderweise sofort. Sie konnten ihre Leidenschaft in Zaum halten und waren wieder vollends auf die Spielrunde fokussiert.

3. Der alle-sind-gegen-mich Spieler

Es gab mal diesen einen Kerl, der nie verlieren oder scheitern wollte. Er beschuldigte laufend die anderen Spieler und den SL dafür, wenn eine seiner Aktionen oder ein Würfelwürfe daneben ging. Zusätzlich unterbrach er öfters das Spiel, um darüber zu diskutieren, wie unfair die Regelmechaniken seien. Ich habe diese Diskussionen immer abgeblockt und ihn auf das Ende der Runde vertröstet, um seine Bedenken nach dem Spiel zu besprechen. Das half aber nur begrenzt. Ich erinnere mich noch gut an diese zwei Sager von ihm: „Ich spiele doch nur meinen Charakter aus“ und „Ihr seid alle gegen mich – wenn sich das nicht ändert, verlasse ich die Gruppe“. Gesagt, getan. Wir haben ihn daraufhin auf eine Solo-Queste geschickt und die Kampagne ohne ihn zu Ende gespielt. Problem gelöst.

Ja, mit Problemspielern gehen eben nicht alle Diskussionen gut aus. Aber vielleicht könnt ihr aus diesen Beispielen etwas für euch mitnehmen. Natürlich würde ich auch gerne eure schlimmsten oder lustigsten Geschichten über Problemspieler hören. Schreibt‘ sie doch in die Kommentare unten. 🙂

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Fazit: Drei Schritte für den Umgang mit Problemspielern

Problemspieler können euch und den anderen Spielern schnell den Spaß am Rollenspielen verderben. Darum sind hier drei Schritte, mit denen ihr souverän allen Arten von toxischen Mitspielern begegnen könnt. 

Schritt 1: Bittet sie darum, ihr Verhalten zu ändern

(funktioniert in 70% aller Fälle)
Sprecht sie direkt während dem Spiel auf ihr Verhalten an, und bitte Sie, damit aufzuhören. Seid dabei freundlich und konstruktiv. Versucht aber lange Diskussionen zu vermeiden. Das würde den Spielfluss unterbrechen und der Atmosphäre schaden. Wenn das nicht klappt, weiter zu Schritt 2.

Schritt 2: Besprecht das Problem nach dem Spiel

(funktioniert in 28% aller Fälle)
Sprecht im Anschluss an die Spielrunde mit dem Spieler oder der Spielerin unter vier Augen. Hört ihnen gut zu. Versucht dann, gemeinsam eine Lösung zu finden, die für euch beide passt.
Klappt das auch nicht, dann hilft nur noch Schritt 3.

Schritt 3: Geht getrennte Wege

(für die übrigen 2%)
Gebt dem Problemspieler zu verstehen, dass sie oder er mit diesem Spielstil in einer anderen Gruppe besser aufgehoben wäre. Vielleicht habt ihr euch auseinander entwickelt, vielleicht ist die Person aber auch schlichtweg nicht tragbar. Freu‘ dich danach über die Erleichterung, dich nicht mehr über diese Person ärgern zu müssen. Und verbringe mehr Zeit mit den großartigen und super netten Spielern, die weiterhin in deiner Gruppe sind. Auf zu neuen Abenteuern mit ihnen!

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