Sitzordnung am Spieltisch

Die guten Plätze bekommen
die meiste Aufmerksamkeit

„Wieso Sitzordnung? Wir sind doch hier nicht im Klassenzimmer!“ Stimmt, aber sei ist ein hilfreicher kleiner Trick, damit alle Spieler genug Aufmerksamkeit bekommen. Denn der Sitzplatz wirkt sich darauf aus, wie viel sich jeder einzelne in die Spielesession einbringen kann. Nicht ohne Grund findet man unzählige Ratgeber, wenn man nach „Sitzordnung Meeting“ googelt. Das beste daran: Es braucht keine Vorbereitung und kostet kaum Zeit. Wie das Ganze funktioniert, dass sehen wir uns in diesem Artikel an.

Effekt: ★ ☆ ☆ ☆

Schwierigkeit: Anfänger

Lesezeit: 6 min

sitzordnung dungeons and dragons

Gib‘ leisen Spielern die besten Plätze

Die meisten Spielgruppen sind ein Mix aus aktiven und passiven Spielern. Aktive Spieler sind ja grundsätzlich ein Geschenk. Sie halten die Story am Laufen mit ihren Ideen und Aktionen. Doch sie nehmen dafür auch viel Aufmerksamkeit vom Spieleiter für sich in Anspruch. Da kann es schon mal vorkommen, dass die leiseren Spieler übergangen werden. Damit das nicht geschieht, gib den passiveren Spielern den besten Platz in deinem Blickfeld. Das sind die Sitzplätze, die dir direkt gegenüber liegen. Dort wird dein Blick automatisch immer wieder hängen bleiben da es die natürlich Haltung deines Kopfs ist, gerade aus zu schauen. So fällt es dir viel schneller auf, falls diese ruhigeren Spieler länger nicht an der Reihe waren oder sich nicht aktiv einbringen.

Die lauteren Spieler hingegen sollten direkt links und rechts vom Spielleiter sitzen. Sich diesen Plätzen als Spielleiter zuzuwenden erfordert etwas mehr Aufwand, da du ihnen dafür den ganzen Kopf und Oberkörper zuwenden musst. Das klingt jetzt vermutlich trivial, um wie viel Grad du den Kopf drehen musst, um mit jemandem zu sprechen. Während dem Spiel sind das allerdings Handlungen, die unbewusst ablaufen. Jede zusätzliche Anstrengung – egal wie klein – wirkt sich darauf aus, wem wie viel deiner Aufmerksamkeit als SL schenkst.

Und keine Sorge wegen den aktiven Spielern. Sie sitzen deshalb nicht im Aus. Durch ihre intensive Spielweise, wird es ihnen auf jedem Sitzplatz leicht fallen, deine Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Paare und enge Freund
auseinander setzen

Du spielst öfters mit wechselnden oder neuen Spielern? Dann solltest du am vor Spielbeginn die Pärchen auseinander setzen. Mit „“Pärchen““ sind klassische Paare oder gute Freunde gemeint – also zwei Personen, die sich sehr vertraut sind. Sollte es während der Spielrunde zu IT-Konflikten kommen, werden die Pärchen in der Regel zusammenhalten und sich gegen die anderen stellen. Interessanter ist es aber, wenn die Spieler ihr Zusammengehörigkeit außerhalb des Spiel für einen Konflikt im Spiel ablegen und sich auf unterschiedliche Seiten stellen. Dabei hilft es enorm, wenn sie am Spieltisch nicht nebeneinander sitzen.

Noch mehr Effekt hat es, wenn du sie gegenüber platzierst. Damit steigt nämlich aus psychologischer Sicht die Konfliktbereitschaft. Zusätzlich fühlen sich Paare oder Freunde leicht verunsichert, wenn sie nicht direkt neben ihrem Partner oder Kumpel sitzen „dürfen“. Das kann bei Horrorszenarien hilfreich sein.

tischrollenspiel sitzplan

Sitzordnung festlegen – ein psychologischer Trick

Den Spielern Sitzplätze zuzuteilen, ist ein fieser Trick, um sie etwas ins Grübeln zu bringen. Denn die wenigsten werden dir dabei widersprechen. Vielleicht fragt manchmal wer: „He, warum müssen wir uns so hinsetzen? Hat das eine Auswirkung auf das Abenteuer?“. Darauf antwortest du am besten kryptisch mit: „Ihr werdet sehen“ oder „ich hab‘ da so einen Plan“. Gib keine näheren Details an, was deine Gründe dafür sind. Als Spielleiter kannst du dir das leisten, denn du hast als Moderator ja etwas mehr Autorität am Spieltisch als die Spieler.

Das hört sich jetzt verdächtig nach einem Psychotrick für Alphatiere an. Das ist aber nicht die Absicht dahinter. Vielmehr geht es um Immersion. Denn in manchen Szenarien hilft eine gewisse Autorität des Spielleiters den Spielern, sich besser in die Atmosphäre der Story zu versetzen. Ein „“strenger““ Spielleiter ist ein sehr hilfreicher Stimmungsbringer für düstere Settings wie Horror oder Dark Fantasy. Auf jeden Fall hast du mit der Sitzordnung die Aufmerksamkeit deiner Spieler.

Zum Thema „Spielleiter-Autorität“ gibt es demnächst mal einen eigenen Artikel mit mehr Details.

Brich‘ die Sitzordnung
während dem Spiel auf

Hier noch ein genialer Kniff, um deine Spieler etwas zu verunsichern oder ihre Aufmerksamkeit zu steigern: Brich‘ die Sitzordnung selber auf. Komm‘ hinter deinem Spielleiterschirm hervor und stell‘ oder setz‘ dich einen Moment ganz nah neben sie. Wir alle sind es gewohnt, dass der Spielleiter immer artig und in sicherer Entfernung hinter seinem Schirm sitzt. Sei‘ verwegen und brich diese Tradition. Dann ist plötzlich der ganze Raum deine Bühne, und nicht nur der Platz hinter dem SL-Schirm.

Hock‘ dich verschwörerisch zwischen deine Spieler, während sie auf Schleichen würfeln, um an der Wache vorbeizukommen. Stell dich hinter sie, während du sie in der Rolle des Lehrmeisters oder Vorgesetzten tadelst. Oder schnapp‘ dir einen Charakterbogen, wenn du als Grenzpatrouille ihre Papiere prüfst.

Du wirst sehen, das wird sie etwas aus dem Konzept bringen. Der Effekt kommt daher, dass du den Wohlfühl-Abstand zu den anderen unterschreitest und dadurch etwas ihre Intimsphäre verletzt. Bei mir hat es bis jetzt noch immer funktioniert. Nur setzt diesen Trick nicht öfter als 2x an einem Spielabend ein. Sonst verliert er an Wirkung. Die Idee für diese Technik kommt von meinem Rollenspielmentor D.G.Didi, den manche alte Hasen von euch vielleicht vom Fanzine „Ravenhorst“ oder diversen Cthulhu- oder DSA-Publikationen kennen. An dieser Stellen ein Dank dafür!

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Weitere Quellen zum Thema „Sitzordnung“

Abschließend noch ein paar Links zum Thema „Psychologischer Effekt der Sitzordnung“, falls ihr euch mit diesem Thema mehr beschäftigen wollt. Darin wird u.a. erklärt, warum der wichtigste Mensch im Raum immer am Tischende, dem sogenannten „Power Seat“ sitzen sollte.

Science of People – How to Pick the Right Seat in a Meeting EVERY Time

Psychology Today: The Power Seat: Where You Sit Matters

Westside Toastmasters / Book of Body Language: Seating arrangements – where to sit and why

Zusammenfassung: Der Effekt einer Sitzordnung

Die Wirkung davon, wer wo sitzt, wird größtenteils stark unterschätzt. Wenn es gut gemacht wird, bekommen die ruhigen Spieler deiner Runde dadurch mehr Aufmerksamkeit und bringen sich mehr ein. Zusätzlich solltest du die Sitzordnung während dem Spiel öfters aufbrechen, indem du deinen Platz hinter dem SL-Schirm verlässt. Das gibt immer wieder einen netten Show-Effekt. Gib‘ dich nicht einfach mit einer eingefahrenen Sitzordnung zufrieden – spiel‘ damit und nutze sie als Werkzeug, um die Atmosphäre in deiner Spielrunde zu verbessern.

sitzordnung beim rollenspielen

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