NSC-Portraits

Portraits zur Darstellung von NSCs verwenden

Während einer Rollenspielrunde geschieht ein großer Teil der Interaktion zwischen Spielleiter und Spielern über die NSCs (Nicht-Spieler-Charaktere). Um sie möglichst überzeugend darzustellen, braucht es zwei Dinge: Gewisse schauspielerische Fähigkeiten des SLs und ein Portrait des jeweiligen NSCs. Ein Bild vermittelt den Spielern das Erscheinungsbild des Charakters in Sekundenbruchteilen. Damit sparst du dir mühsame Erklärungen von Aussehen, Kleidung und Gesichtsausdruck. Zusätzlich machen Portraits es den Spielern leicht, unterschiedliche NSCs von einander zu unterscheiden. Das alles ist Grund genug, hier mal tiefer in das Thema einzutauchen und ein paar Tipps dafür zu geben.

Effekt: ★ ★ ★ ★

Schwierigkeit: Experte

Lesezeit: 8 min

nsc portrait pen and paper rollenspiel

Wie erstellt man NSC-Portraits?

NSC-Portraits verwendet man am Spieltisch am besten als Papierlasche, die man über den Spielleiterschirm hängt. Auf der den Spielern zugewandten Seite befindet sich das Portraitbild. Auf der Rückseite, die nur der SL sieht, stehen die wichtigsten Hintergrundinfos zu diesem Charakter. Das können Motive, Attributswerte oder Hinweise sein, wie man den Charakter als Spielleiter darstellen soll. Der Name, die Körperhaltung und die Sprechweise des NSCs sind meist sehr hilfreiche Infos für die Rückseite. Rechts siehst du ein Beispiel für ein ausgearbeitetes NSC-Portraits auf einer Papierlasche.

Natürlich kannst du auf der Rückseite auch die Motive und Geheimnisse des Charakters notieren. Im Eifer des Gefechts einer Spielsitzung kann das aber schnell zu viel Text sein, um ihn schnell zu erfassen.

Das ideale Maß für eine solche Papierlasche ist 20 x 7 cm. Nach dem Falten bleibt eine Fläche von 10 x 7 cm über für das Portrait. Das ist eine gute Größe, um das Bild über den Spieltisch hinweg noch erkennen zu können. Und damit gehen sich auf einer A4-Seite drei Papierlaschen nebeneinander aus.

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Hier findest du gute Portraits online

Für die private, nicht-kommerzielle Nutzung bietet das Netz eine riesige Menge an Portraitbildern. Hier sind ein paar Tipps dazu, wie man an hochqualitative Bilder rankommt.

1. Quellen

Die gute alte Google Bildersuche und Pinterest bieten die größte Auswahl an Bildern für jedes beliebe Genre. Am besten, ich macht euch mit den Suchoptionen und -filtern für beide vertraut.

2. Welche Bildauflösung brauche ich?

Sehr kleine Bilder solltest du gleich vorweg aus deiner Suche ausschließen. Denn für ein gedrucktes Bild mit 10 x 7 cm Größe benötigst du ein digitales Bild mit einer Auflösung von mindestens 800 x 640 Pixel. Bilder mit geringerer Auflösung sehen ausgedruckt sehr verschwommen und verpixelt aus. Je höher die Auflösung, desto besser. Bei großen BIldern kannst nämlich auf spezielle Ausschnitte hineinzoomen (in der Regel auf das Gesicht). Die Google Bildersuche verfügt über Suchfilter, um Bilder mit niedriger Auflösung auszuschließen.

3. Hilfreiche Suchbegriffe

Grundlegende Suchbegriffe, um Portraits zu finden
(auf Englisch, da englische Suchbegriffe viel mehr Ergebnisse liefern)

Beispiele für spezielle Settings oder Genres

Für konkrete Charakterkonzepte

Illustrationen aus PC-/Videospielen – eine wahre Goldgrube an hervorragendem Bildmaterial 

Titel von PC-/Videospielen, um einen bestimmen Stil zu finden

Eine Beispielsuche könnte so aussehen: „portrait witcher sorceress concept art“ oder “ portrait 1920 male criminal“.

Spezialtipp für die  1920er Cthulhu-Spielleiter da draußen: Ersetzt „portrait“ mit „mugshot“, und ihr erhaltet eine gute Auswahl an Verbrecherfotos.

4. Rechtliche Situation beim Verwenden von Bildern aus dem Netz

Das Urheberrecht muss immer berücksichtigt werden. Ihr dürft also keine Bilder ohne Zustimmung des Fotografen oder Illustrators, der sie gemacht hat, verwenden. Die gute Nachricht: Solange ihr Bilder aus dem Netz nur zum Privatgebrauch und nicht-kommerziell verwendet, und sie auch nicht irgendwo veröffentlicht, sollte alles passen. Verwendet sie also nicht, wo andere Leute außerhalb eurer privaten Spielrunden darauf Zugriff hätten (egal ob online oder gedruckt). Sonst würdet ihr eine Urheberrechtsverletzung begehen.

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Bildbearbeitung für Einsteiger

Die Bilder, die du im Netz findest, müssen oft noch etwas nachbearbeitet werden, damit sie wirklich gut für deine NSCs aussehen. Geh davon aus, dass du jedes Portrait zuschneiden musst, damit es gut in den 10 x 7 cm Platzhalter passt. Der Kopf sollte dabei rund 70% des Platzes einnehmen, während der Rest für Hals und Schultern da ist. Und manchmal müssen auch noch unpassende Kleidungsstücke oder Hintergründe entfernt werden.

Keine Sorge, falls du bisher noch nie Bilder bearbeitet hast. Du brauchst dafür weder eine teure Software, noch besonders umfassende Vorkenntnisse. Bildbearbeitungssoftware für Einsteiger gibt es nämlich gratis im Netz. Hier sind zwei Empfehlungen zum Start: fotor.com and befunky.com. Beide Tools können direkt im Browser geöffnet werden, ohne etwas am eigenen PC installieren zu müssen. Wundert euch nicht – beide Programme verfügen über eine Menge an Features und Bearbeitungsmöglichkeiten. Ihr braucht aber von den ganzen Funktionen nur ca. 5% zur Bearbeitung eurer NSC-Bilder. Für Einsteiger gibt es zwischen beiden Programmen wenig Unterschiede. Seht euch einfach beide an, und nehmt das Tools, das euch mehr zusagt.

Für mehr Infos zu fotor.com oder befunky.com geht auf direkt auf die Websites oder seht euch eins dieser Erklärvideos an.

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NSC-Portraits sind der Hammer. Sie geben den Charakteren ein Gesicht und machen sie viel greifbarer. Keine lange Erklärung mehr nötig, wie wer aussieht. Man kann gleich den Dialog ausspielen.

Sind NSCs ohne Portraits belanglos?

Es wird immer wieder Situationen geben, in denen du als Spielleiter einen NSC improvisieren musst. Dann wirst du für diesen Charakter kein Portrait parat haben. Daraus könnten deine Spieler schließen, dass dieser NSC für die Geschichte keine große Rolle spielt. Mach‘ dir darüber nicht zu viele Gedanken. Die Spieler sind ja ohnehin meist völlig damit beschäftigt, andere Hinweise zu finden und richtig zu deuten.

Du könntest diesen Effekt natürlich auch ausnutzen und deine Spieler damit an der Nase herumführen. Wenn z.B. für einen bedeutenden Handlanger des Oberschurken kein Portrait verwendest, werden ihn die Spieler nicht als verdächtig ansehen. Das ist eine witzige Idee, aber in der Spielpraxis würde ich diesen Trick nicht einsetzen. Denn du würdest damit dein Spielleiterwissen auf der Metaebene gegen die Spieler einsetzen, und sie hätten keine Chance, diese Scharade von dir zu durchschauen.

Was ist die optimale Anzahl an NSCs?

Bei einer Runde, die 3 bis 6 Stunden dauert, verwende ich meist 4 bis maximal 10 NSCs, für die ich ein Portrait ausarbeite. Die genaue Zahl hängt von der Komplexität der Story ab. Klassische kampforientierte Fantasy-Abenteuer haben oft weniger Dialoge mit NSCs eingebaut. Szenarien mit hohem Investigationsanteil, in denen die Spieler unterschiedliche Verdächtige verhören, benötigen mehr ausgearbeitete NSCs.

Um Vorbereitungszeit zu sparen, mache ich keine Portraits für weniger wichtige Nebencharaktere wie Monster oder unterstützende NSCs wie Händler, Taxifahrer, etc. Außer natürlich für den Fall, dass genau einer dieser Nebencharaktere ein relevanter Teil des Hauptplots ist. Dann bekommt das Monster oder der Taxifahrer auch ein Portrait als visuelle und inhaltliche Hilfestellung für die Spieler.

Unten ist ein Set von NSC-Portraits, dass ich für das Cthulhu NOW Szenario „Ladybug, Ladybug, Fly away home“ aus dem Abenteuerband „The Things We Leave Behind“ von Stygian Fox erstellt habe. Da habe ich wohl etwas dick aufgetragen mit der hohen NSC-Anzahl. Aber das Abenteuer geht auch über mehrere Sessions. Seht es einfach als Inspiration, wie ein Set an ausgearbeiteten NSC-Portraits aussehen könnte.

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NSC-Portraits für improviserte Plots

Wie soll man NSC-Portraits für ein Rollenspiel vorbereiten, bei dem der Plot gemeinsam mit den Spielern on-the-fly während dem Spiel erdacht wird? Viele Storygames und Indie-Systeme (z.B. PBTA-Rollenspiele) funktionieren so. Für improvisierte Storys ist es schwierig vorauszusagen, welche NSCs darin vorkommen werden. Sollte man daher ganz auf NSC-Portraits verzichten? Nein, dafür gibt es folgenden Lösungsansatz.

Für Runden mit offenem Plot empfehle ich, ein paar Portraits auf Vorrat herzurichten. Allerdings ohne Details zu den Charakteren, nur die Portraitbilder. Stell‘ einfach ein paar Fotos zusammen, die zum Setting passen. Sie am Spieltisch zur Hand zu haben, ist nämlich eine schöne Inspirationsquelle für alle Mitspieler, wenn schnell ein neuer NSC improvisiert werden soll. Wenn dir mal nichts einfällt zu einem spontan auftauchenden NSC, kannst du aus diesen Portraits einfach eines auswählen, und die Spieler um Inputs und Ideen zu diesem Charakter bitten.

Dazu zwei Beispiele: Für eine Runde von „The Sprawl“ (PBTA-System) habe ich 30 Cyberpunk-Portraits vorbereitet. Für eine Monsterhearts-Runde habe ich hingegen ein paar Fotos von Highschool-Jahrbüchern ausgedruckt. In beiden Fällen war es für die Spieler einfach, zufällig auftauchende NSCs während der Session auszuarbeiten, da sie ein Portrait vor sich hatten. Und außerdem hat es jedem Spaß gemacht, ein passendes Portrait aus dem Bilderstapel auszuwählen.

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Fazit: NSC-Portraits sind eine grandiose Spielhilfe

Portraits sind eine unschätzbare Hilfe in der atmosphärischen Darstellung von NSCs. Nichts vermittelt das Aussehen eines Charakters schneller und besser als ein Bild oder Foto von der Person. Und die Zusammenfassung der Perönlichkeit und der Motive des NSCs auf der Rückseite erleichtert dem Spielleiter die Arbeit enorm.

NSC-Portraits sind für mich ein absolutes Muss in all den Rollenspielrunden, die ich leite. Das ist einer meiner Top 3 Spielleitertipps der letzten 20 Jahre. Mit der unsagbar großen Menge an verfügbaren Bildern im Netz, gibt es für mich keinen Grund mehr, keine NSC-Portraits für eine Rollenspielrunde zu verwenden.

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