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Spielleiterschirme – Mein größtes Rollenspiel-Laster
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SL-Schirme, mein liebstes Rollenspiel-Zubehör

Wenn man sich mit einem Hobby intensiv beschäftigt, deckt man sich dafür auch gern mit Zubehör ein. Gamer haben eine High-Performance PC, Larper haben eine Garderobe mit authentischen Outfits und Rollenspieler kaufen sich gerne Würfel. Mir hat es aber ein anderes Accessoire angetan als Würfel, und zwar Spielleiterschirme. Über die Jahre habe ich eine kleine aber feine Auswahl an SL-Schirmen zusammengetragen. Und seit ich mich mit Indie-Systemen wie z.B. Powered-by-the-Apocalypse beschäftige, mache ich mir viele Spieleiterschirme selbst. Warum ich SL-Schirme so cool finde, und welche Prunkstücke sich in meiner Sammlung befinden, darum geht’s in diesem Beitrag.

Wozu verwendet man einen Spielleiterschirm?

In erster Linie sehen SL-Schirme cool aus. Sie sind ein Hingucker für die Spieler, und man sieht sofort, wer der Spielleiter am Tisch ist. Außerdem denen sie als Trennwand, um dahinter Notizen und Handouts vor den Spieler zu verbergen. Sie funktionieren dabei wie der Vorhang im Theater, der die ganze Technik und die Requisiten verbirgt, damit das Bühnenbild nicht gestört wird. Damit trägt ein Spielleiterschirm indirekt zur Atmosphäre am Spieltisch bei.

Ich verwende den SL-Schirm zusätzlich gern als Halter für Bilder und NSC-Portraits (mehr zu NSC-Portraits findet ihr hier). Und an der Rückseite bringe ich nützliche Notizen wie Plotverlauf, Zeitleiste und Spezialregeln an. Der Schirm hilft mir also, meinen „Arbeitsbereich“ als Spielleiter aufgeräumt zu halten.

spielleiterin hinter sl-schirm

SL-Schirme kaufen oder selber machen?

Für bekannte Rollenspiele wie D&D, Pathfinder, Cthulhu und Shadowrun gibt es mittlerweile eine wirklich große Auswahl an SL-Schirmen, die man kaufen kann. Sie sind stabil gebaut, zeigen schicke Bilder und sind günstig zu bekommen. Für 20 bis 40€ sind diese SL-Schirme ein echt guter Deal. Die Materialkosten für selbstgemachte Schirme liegen ebenfalls bei 20 bis 40€ für Karton, Druck und Schutzfolie. Dazu kommen noch vier bis acht Stunden Arbeitszeit. Warum sollte man sich also einen SL-Schirm selber machen?

Dafür gibt es zwei Gründe:
1. Du willst einen SL-Schirm für ein Rollenspielsystem haben, für das es keine Schirme gibt. Das trifft auf fast alle Indie-Systeme oder PBTA-Spiele zu. Oder du willst ein ganz besonderes Design oder Material haben, das es so nicht zu kaufen gibt.
2. Du willst ausgefallenes, einzigartiges Design oder Material haben, das sonst nirgends erhältlich ist.

Über die Jahre habe ich sowohl fertige SL-Schirme gesammelt als auch einige Eigenkreationen gebaut. Beides sehen wir uns weiter unten an.

spielleiterschirm für cthulhu rollenspiel

4 Kriterien, die du beim Kauf eines SL-Schirms beachten solltest

1. Haltbarkeit

Selbst der schönste SL-Schirm wird dir nur wenig Freude machen, wenn er den Transport im Rucksack nicht übersteht. Achte auf feste Materialien und ggf. Scharniere, die viele Einsätze am Spieltisch überdauern.

2. Abmessungen

Drei A4-Seiten im Hoch- oder Querformat sind das klassische Maß der SL-Schirme, die man kaufen kann. Von Schirmen im Hochformate rate ich aber ab. Sie verdecken den Oberkörper des Spielleiters zu sehr. Wähle einen SL-Schirm, mit dem deine Spiele deiner Körpersprache und Gestiken gut sehen können.

3. Design

Episch, schrill, düster oder minimalistisch. Such‘ dir ein Design aus, das gut zur Stimmung deiner Kampagnen und Abenteuer passt.

4. Preis

SL-Schirme von der Stange kosten 20 bis 40€. Für ausgefallene Designs und Maßanfertigungen liegen die Preise bei 150 bis 200€. In so teure Schirme würde ich nur investieren, wenn sie oft genug zum Einsatz kommen. Das ist dann der Fall, wenn ihr lange bei einem System bleibt, oder wenn das Design des Schirms für mehrere Systeme passt.

degenesis rollenspiel sl-schirm

Warum ich mir meine SL-Schirme selbst bastle

Der Hauptgrund dafür ist, dass ich in letzter Zeit viele Rollenspiele leite, für die es keine Spielleiterschirme zu kaufen gibt. Ich habe mich viel mit Monsterhearts, The Sprawl und Dungeon World beschäftigt, und für alle drei ist noch kein offizieller SL-Schirm verfügbar. Ganz ohne Schirm möchte ich nicht spielen. Und ein generischer Universalschirm wäre mir zu wenig. Ich möchte einen Schirm mit passendem Cover-Art verwenden. In diesem Punkte bin ich etwas pingelig. 😉

Außerdem bastle ich gerne an Props herum. Da gehört auch ein SL-Schirm dazu. Dass ich für eine Firma arbeite, die Laser Cutter herstellt, kommt mir da zugute. Wir dürfen die Maschinen manchmal zum Üben verwenden. Als Anschauungsobjekt baue ich mir damit dann einen Spielleiterschirm aus Holz, Plexiglas oder Metall.

Spielleiterschirme, die ich mir gekauft habe

Hier ist eine kleine Galerie mit all den SL-Schirmen, die ich mir in den letzten 15 Jahren gekauft habe. Für Cthulhu sind es sogar mehrere, die je nach Szenario zum Einsatz kommen.

Spielleiterschirme, die ich selbst gemacht habe

Diese selbstgemachten SL-Schirme sind die wahren Hingucker meiner Sammlung. Zu jedem gibt es ein paar Infos zu den verwendeten Materialien und darüber, wann sie zum Einsatz kommen.

SL-Schirm für Cthulhu Now und 10 Candles

Material: Karton, selbstklebende Schutzfolie

SL-Schirm für Warhammer Skaven-Kampagne

Material: Karton, Kunststofffolie, Ziegenfell

SL-Schirm für The Sprawl, Version 1

Material: Plexiglas, lasergeschnitten und -graviert, Rückseite mit Acrylfarbe bemalt

SL-Schirm für The Sprawl, Version 2

Material: Anodisierte Aluminium, lasergraviert, Magnetfolie an der Rückseite

SL-Schirm für Monsterhearts

Material: Walnussholz, weiß lackiert und lasergraviert

SL-Schirm für Dungeon World

Material: Birkenholz, mit UV-Drucker bedruckt, Motiv von „Darkest Dungeon“

SL-Schirm für Degenesis

Material: Karton, selbstklebende Schutzfolie, Draht, Leder, Beilagscheiben, Plexiglas

SL-Schirm für das Mittelerde Rollenspielsystem (MERS)

Material: Beschichtetes MDF-Holz, biegsame Kanten durch Laserschnitttechnik

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Comments (2)

Vielen Dank für den Ein- und Überblick. Und chapeau: Die selbstgemachten Schirme sind ja richtig aufwändige Schmuckstücke!
Interessant finde ich aber, dass Du bei PbtA-Spielen tatsächlich einen SL-Schirm verwendest. Bei mir war es so, dass ich mit der Zuwendung zu erzähllastigen Spielen (bei mir eher Fate denn PbtA) davon abgekommen bin, SL-Schirme zu verwenden. Oft sind die Regeln eingängiger, so dass das Vorhalten von Tabellen nicht mehr notwendig ist. Zudem sehe das Spielen „auf Augenhöhe“ im Vordergrund, weswegen ich die optische oder räumliche Trennung zu meinen Mitspielern nicht mehr wollte. Früher tat ich mich mit offenen SL-Proben schwer, aber seitdem jede Probe dem Drama gehört (und nicht mehr so viel mit Erfolg oder Scheitern von Spielern oder Figuren zu tun hat), würfele ich auch offen (klar, der Teil fällt bei PbtA komplett weg). Und meine Notizen sind wahlweise offen, oder unter dem Deckblatt des Blocks. Außerdem kenne ich kein PbtA-Spiel, dass nicht darauf baut, dass man sich besser als SL nicht wirklich vorbereitet, sondern sich die Dinge im Spiel entwickeln lässt, weswegen viele für mich von früher typische Dinge, wie Plot- oder NSC-Notizen wegfallen oder nur selten für die Spieler verborgen bleiben.

Hi Markus,

Yay, der erste Kommentar hier von einem menschlichen Wesen (kein Spambot) 🙂
Freut mich, wenn dir die Schirme gefallen.
Stimmt, für erzähllastige Spiele kann der SL-Schirm als „Barriere“ zwischen SL und Spielern wirken.
Ich kenne viele Spielleiter aus dem Indie- oder Storygames-Bereich, die aus diesem Grund auch lieber auf Schirme verzichten.

Ich mag vor allem das „Geheimnisvolle“ am SL-Schirm. Also dass der SL dahinter irgendwelche Geheiminfos hat, die man als Spieler nicht kennt.
Das kommt bei mir vermutlich daher, dass ich jahrelang Cthulhu geleitet habe. So schnell wird man das nicht los 😉
Auch für PBTA-Spiele bereite ich mir immer noch gerne Plothooks vor, um bei Bedarf Spielimpulse für die Spieler zu haben. Da bin ich noch am Tüfteln, was das richtige Maß an Geheimniskrämerei ist.

Für kooperative Storygames kann der Schirm sicherlich einer Hürde sein, und den gemeinsamen Schaffungsprozess behindern. Guter Punkt, danke dafür!

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